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F 2008 - Regie: Martin Provost - Darsteller: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent - 127 Min. - FSK: ab 6 J. In der Kunstgeschichte sucht man oft vergeblich nach dem Namen
Séraphine Louis. Sie ist eine Randfigur mit tragischem Leben, anders als der mit ihr verglichene Rousseau. Der Film folgt den bekannten Fakten des Lebens Séraphines, bedient sich eines distanzierten Stils und
verzichtet weitestgehend auf eine unnötige Dramatisierung eines ohnehin schon dramatischen Stoffes. In der Hauptrolle kann man sich niemand anderes als Yolande Moreau vorstellen, die das zwischen Naivität und
Wunderlichkeit wechselnde Gesicht einer Einsiedlerin hat, die abseits der Gesellschaft ein karges Dasein fristet. Zu Beginn sieht man nur den Broterwerb von Séraphine, sieht, wie sie Wäsche wäscht und putzt, sich
von wohlhabenden Hausherrinnen zurechtstutzen lässt, ihren kargen Lohn zwei Mal zählt, ganz in ihrer eigenen Welt versunken ist. Beim Metzger lässt sie eine Kanüle Blut mitgehen, in der Kirche bedient sie sich nach
einer Bekreuzigung beim flüssigen Kerzenwachs und dann sieht man wozu sie diese Zutaten braucht. Des Nachts, in einer kleinen Kammer mischt sie, wie eine Hexenmeisterin vor dem Altar hockend, Farben, mit denen sie
kleine Holzbretter bemalt. Natürlich nimmt niemand sie und ihre Malerei für voll, bis der in das Dorf gezogene deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde eines der Bilder zu Gesicht bekommt. Sofort ist er von ihrem Talent
begeistert und beginnt sie zu fördern. Doch immer wieder kommt das Schicksal in den Weg und verhindert den breiten Erfolg, den Séraphine sonst vielleicht gehabt hätte. Zunächst ist es der Erste Weltkrieg, der den
Deutschen dazu zwingt Frankreich zu verlassen, später, nach seiner Rückkehr in die französische Provinz, verhindert die Weltwirtschaftskrise, das Séraphine die Einzelausstellung bekommt, die ihr Uhde stets
versprochen hatte. Kurze Zeit später landet die stets etwas wunderliche Séraphine in der Nervenheilanstalt und wird nie wieder malen. Bestechend fotografiert und brillant gespielt, rollt der Film das Anmaßende des
zeitgenössischen Denkens auf und unterzieht die historische Idee einer "unverfälschten Ursprünglichkeit" einer grundlegenden Revision.
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